Über die Wahrheit von Information

Information ist umso wahrer, je näher ich ihrer Quelle bin. Vorausgeschickt, dass «die» Wahrheit ohnehin nicht zu fassen ist: Nichts kann wahrer sein als etwas, was ich selber erlebt habe – worüber ich freilich keine Information brauche.

Kann ich mich auf Information verlassen, die auf fremder Anschauung beruht? Nein, vorsichtshalber glaub ich «meiner» Zeitung nicht. Mehr dazu weiter unten.

Ausnahmsweise gilt dies freilich nicht für Kommentare.
Sie transportieren zwar ebenfalls Information, doch ausschliesslich in enger Verbindung mit der offengelegten Meinung des Verfassers. So muss ich mich nicht zu einer mehr oder weniger überprüfbaren Information verhalten, sondern setze mich unmittelbar mit einer Sicht auf die Dinge auseinander, die ich teile oder verwerfe und die mich im besten Fall anregt, versuchshalber andere Sichtweisen einzunehmen und einen Gegenstand der Information unerwartet anders, vielleicht sogar dahinter zu sehen.

Während meiner häufigen Aufenthalte in Graz lese ich immer wieder mit Freude die «Kleine», eine fein gemachte Zeitung, und in ihr vor allem die Kommentare, Glossen und Satiren, die zugleich Biss und Niveau haben. In Helvetien wird man diesbezüglich nicht grad verwöhnt…
Unter den hervorragenden Texten hat es mir jüngst ganz besonders Kleine_20110416 «Nichtigkeit des Designs» angetan. Superb!

Theorie:
Sicherheitshinweise für die Nutzung von Informationen:

1. Warst Du selber dabei und hast alles gesehen?
Wenn Ja ➔ okay
Wenn Nein ➔ 2

2. Kennst Du die Quelle, welche Dich informiert, persönlich und vertraust ihr?
Wenn Ja ➔ okay
Wenn Nein ➔ 3

3. Erfüllt eine Quelle, die Du persönlich kennst und der Du vertraust, die Bedingung 2?
Wenn Ja ➔ okay
Wenn Nein ➔ 4

4. Hast Du von der Quelle, welche Dich informiert, schon einmal Informationen erhalten, die sich im Nachhinein als wahr bestätigten?
Wenn Ja ➔ okay
Wenn Nein ➔ 5

5. Wenn Du hier angelangt bist, bleibt Dir nur, den Inhalt der Information in Zweifel zu ziehen. Mach Dir bewusst, dass genauso gut das Gegenteil wahr sein kann.

Praktische Übung:
«Wahre Hintergründe zu Libyen und Gaddafi
Wie ging es Libyen unter Gadaffi? Wie schlecht stand es um die Menschen? Wurden sie unterdrückt, wie wir das gemeinhin annehmen?»
http://basetransfer.com/2011/04/wahre-hintergrunde-zu-libyen-und-gaddafi

Billo Heinzpeter Studer:
Weiss nicht, wieweit sie wahr sind, interessant aber sicher.

Johann Kowalczik:
Die eigentliche Quelle ist ja politaia.org ! Ähnliches findet man auch hier: http://www.bielefeldverschwoerung.de/

Stefan Rüegger:
Ja gut, unseriösere Quellen zu finden, wäre da fast schon schwer. Das sind Verschwörungstheorien, die so gut wie gar nicht belegt werden. Augen auf beim Info-Kauf!

Billo Heinzpeter Studer:
Und wer sagt, dass seriös ist, was «unsere» Medien anbieten? «Verschwörungstheorie» ist ein Totschlagwort für Dinge, die man nicht hören möchte, weil sie das eigene heimelige Weltbild zu sehr erschüttern…
Weiss nämlich auch nicht, wie wahr das ist, was wir so täglich vorgesetzt kriegen. Weisst Du’s?

Stefan Rüegger:
Ich weiss nur, dass überhaupt nichts von dem was da behauptet wird auch belegt wird. Darum: Verschwörungstheorie und nichts weiter. Und lies dir doch mal die „“Sicherheitshinweise““ von http://www.bielefeldverschwoerung.de/ durch…“

Johann Kowalczik:
Unseriös ist auf jeden Fall eine Anhäufung von Privatvermögen, die über ein bestimmtes Maß hinausgeht.

Stefan Rüegger:
Ja. Aber das hat was genau mit dem Thema zu tun?

Billo Heinzpeter Studer:
Hast Du jemals Sicherheitshinweise zur Lektüre Deiner Tageszeitung, Deines TV-Senders gesehen, Stefan? Eben.
Die Anhäufung von Privatvermögen ist im Norden Amerikas besonders hoch. Auch im Nachrichtengeschäft. Die grosse Mehrheit der internationalen News, die wir vorgesetzt kriegen, stammen von Agenturen, die im Besitz von US-Familien sind. Das beweist noch nicht, dass die News getürkt sind, aber es macht es sehr unwahrscheinlich, dass diese News auch die Sicht der andern darstellen.

Johann Kowalczik:
Bzgl. «Seriosität» der Amerikaner empfejle ich einen Guglhupf auf «Noam Chomsky: Hybris».

Stefan Rüegger:
Nur weil die US-Medien nicht seriös sind, ist der Umkehrschluss den ihr macht – dass alles was gegen die USA gerichtet ist mindestens so seriös sei – noch lange nicht zulässig. Und ich bin nun wirklich kein Freund der USA in dieser Hinsicht.

Billo Heinzpeter Studer:
Es geht nicht um Umkehrschluss, sondern um Vorsicht im Umgang mit allen Informationen aller Quellen. Wie eingangs gesagt: «Weiss nicht, wieweit sie wahr sind».

Johann Kowalczik:
‎«politaia.org» ist allerdings eine Zusammenfasslung nahezu aller denkbaren Verschwörungstheorien. Sowas kräuselt Denkerstirnen.
Nebenbei: Ich werde auch mitunter scheel angesehen, wenn ich meine Mitbewohner darauf hinweise, dass hier in der Stadt wohlverteilt Botschaften an Aliens – und womöglich sogar islamistische- gesendet werden. Der Beweis: http://koproduktionen.de/islamaliens.jpg

Billo Heinzpeter Studer:
Nun ja, wer mag, glaubt halt an die regierungsamtliche Version von 9/11…

Martin Brasil:
Wie auch immer

Stefan Rüegger:
Nein aber Johann… das meinst du jetzt nicht ernst, oder? …

Billo Heinzpeter Studer:
He he, eine nette Versammlung von Skeptikern hier… sieht ganz so aus, als würde das Experiment gelingen 🙂

Stefan Rüegger:
Also um die Idee etwas seltsam zu finden, dass es islamistische Aliens geben soll und das Tiefbauamt heimlich mit ihnen kommuniziere, muss man nun wirklich kein Skeptiker sein 😀

Billo Heinzpeter Studer:
Das gewiss nicht. Johann hat uns bloss durch den Kakau ziehen wollen. Das Experiment zielt etwas tiefer…

Maria Walther:
Das ist genau das neue Spiel, das übreal und auf allen Ebenen gespielt wird. Berlusconi ist ein Meister in diesem Spiel bei dem man jede Evidenz ableugnet und den Makel auf den Gegner umwälzt.
Da hilft nur eins, die eigenen Intuition besser entwickeln und sich nicht von falschen «Profeten» (Medien) blenden lassen.

Walter Helbling:
Dass Gaddhafi ursprünglich mit einem politischen Projekt antrat, das auch für westliche Linke durchaus von Interesse sein könnte, war schon in den Achtzigern bekannt. Ich möchte mir auch nicht anmassen, die zwischenzeitlich eingetretenen Abnutzungserscheinungen seines Regimes zu zensieren. Die vorgebrachten Motive der Westmächte für ein Eingreifen sind zwar Spekulationen, aber durchaus bedenkenswert.
Bloss: Mit der (m.E. ernstzunehmenden) Ankündigung eines Völkermords hat er selber einen hinreichenden Grund (oder nennt es meinetwegen Vorwand) für das westliche Eingreifen geliefert.

Johann Kowalczik:
Hitler- Saddam- Gaddhafi, wurden alle gleichermaßen von den Amis erst wegen ihres Wahns und ihrer kriminellen Energie benutzt und danach wg. Unbequemlichkeit entsorgt. In Südamerika haben die despotischen Amifreunde weniger Amipower zu befürchten. Der Skandal dabei ist jeweils der erste Teil.

Walter Helbling:
Dass die US-Politik von solchen Tendenzen geprägt ist, bestreite ich nicht, halte aber daran fest, das Weltgeschehen als Interaktion verschiedener Kräfte zu interpretieren.
Mit Betonung auf VERSCHIEDENER

Johann Kowalczik:
Sehe ich auch so-: Jetzt wird ausgelöffelt, was uns die oftmals in Frieden – zumindestens mit sich selbst – verschiedenen Urahnen eingebrockt haben.

Udo Ziegenzottel:
Bei Interesse schau Dir doch einfach mal die Bennenungen in den Medien an – vor nicht allzulanger Zeit war Gaddafi noch «Staatschef», hatte eine «Regierung» und eine «Armee».
„Jetzt ist er ein «Diktator», führt ein «Regime» und hat «bezahlte Schergen»… ;-)“
Natürlich ist dieser Mann verrückt! Wer seine Gegner im besten Fall einsperrt oder gleich hinrichten lässt, ist und hat ein Problem.
Dennoch – ICH habe ein Problem damit, wenn Länder angegriffen werden, nur weil es gerade ein paar anderen «Staatschefs» in den Kram passt, und sie ihre «Armee» dorthin schicken, um «militärisch zu intervenieren».
Dreht man die Bezeichnungen um, werden aus den Staatschefs auch «Despoten», die Armee wird zum «Söldnerheer aus bezahlten Schergen» und die Aktion ist ein «feiger Terroranschlag».
„Nur, weil irgendwer was draufschreibt, heisst das noch lange nicht, dass auch genau das drin ist ;-)“
„Was ich an politaia.org vermisse, sind Quellenangaben. Gut, das machen „“unsere““ Massenmedien auch nicht.“
Umso wichtiger empfinde ich es, dass ich die Möglichkeit bekomme, bei genau solchen Darstellungen, die die ANDERE Seite aufzeigen (wollen), auch die Zahlen, Daten, Fakten selber recherchieren kann.
Das ist nämlich auch im Zeitalter des Internets garnicht so einfach und kostet RICHTIG viel Zeit. Leider.
„Ansonsten habe ich IMMER ein Problem damit, wenn Quellen – aus welchem Grund auch immer – als „“unseriös““, „“unglaubwürdig““ oder „“aus der Verschwörungstheoretikerecke kommend““ bezeichnet werden.“
„Ich persönlich halte dies für genauso „“unseriös““ (egal, wie die Faktenlage ist – ohne Quellenangabe oder Fakten ist das immer problematisch), wie die Medien, die als solches bezeichnet werden.“
„Denn: Wenn ich z. B. sage: „“politaia.org ist unseriös““, dann sollte ich zumindest diesen Bericht über Libyen widerlegen können – Arbeitslosenquote, Staatsausgaben an die Bevölkerung, Quote der hungernden Bevölkerung, pro-Kopf-Einkommen etc.“
Wie sind diese Zahlen denn nun wirklich? Sind sie richtig? Falsch? Wenn falsch, wie sind sie dann?

Johann Kowalczik:
Interessant dazu: http://www.psigate.eu/index.php?page=Thread&threadID=24

Billo Heinzpeter Studer:
Auch schön, wenn schon: Die chinesische Schule der Listen
http://de.wikipedia.org/wiki/36_Strategeme

Walter Helbling:
Danke, Johann!
Eine interessante Nuance finde ich auch die von Radio DRS wiederholt verwendete Formulierung, die japanische Regierung habe «zugegeben», dass in Fukushima ….. (z.B. erneut Explosionen erfolgt seien).

Billo Heinzpeter Studer:
Das liegt wohl daran, dass die furchteinflössende DRS-Flotte vor Tokio in Drohstellung liegt 🙂

Walter Helbling:
Oder vor dem Bundeshaus …. und die Drohstellung scheint ja auch wunderbar zu wirken….

Udo Ziegenzottel:
Können Sie ausschliessen, dass es sich hier um einen Anschlag absurdischer Extremisten aus dem linken Lager der rechten Fraktion unter der Führung von Mustafa Masturbis handelt? ^^
Empfehle diesen Text zum Thema:
http://www.rockrebell.de/2009/11/24/eine-ganz-dumme-sache/

Billo Heinzpeter Studer:
Inwiefern wäre denn gerade DRS-2 eine schlechte Quelle?

Walter Helbling:
DRS 2 ist zweifellos eine Quelle mit hohem Renommée

Billo Heinzpeter Sturer:
ja, so seh ich das auch

Udo Ziegenzottel:
Renower?
http://de.wikipedia.org/wiki/Renommee
Hm, ist mir schon suspekt ^^

Billo Heinzpeter Studer:
Das Renommé von Radio DRS und insbesondere der 2. Senderkette beruht auf einem Netz an Korrespondenten vor Ort und einem seriösen, schlagzeilenfernen Stil. Das garantiert zwar nicht «die» Wahrheit (die gibt’s eh nicht), aber immerhin eine gewisse Distanz zu Schaumschlägereien.

Walter Helbling:
Die Korrespondentenberichte und die vertiefenden Sendungen auf dem 2 schätze ich sehr, hingegen scheint mir die Qualität der hauseigenen Nachrichten (d.h. was die Redaktion den Agenturnachrichten noch beifügt) sein einiger Zeit nachzulassen.

Billo Heinzpeter Sturer:
Naja, das ist leider ein allg. Trend bei Qualitätsmedien. Es darf ja nix mehr kosten, die Medienhäuser sparen an ihrem intellektuellen Kapital. Dem kann sich unter gegebenen politischen Verhältnissen halt auch ein öffentlich-rechtliches Medienunternehmen nicht entziehen. Jammerschade.

Udo Ziegenzottel:
Hm, ich glaub, den Sender behalt ich mal im Auge.

Martin Brasil:
Es darf nichts kosten, damit die Besitzer nicht hungern:)

Eine Antwort zu “Über die Wahrheit von Information”

  1. Ziegenzottel sagt:

    Interessante Einblicke mit vielen Stimmen zum Thema. Danke dafür 🙂

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