Macht Spielen dick?

15. Juli 2018

Das Kartenspiel, von Oluf Simony-Jensen, 1904 (Wikimedia Commons)

Frage von Pedro Brunhart:

Meine Frau und ich spielen jeden Abend Karten. Manchmal sage ich in vorwurfsvollen Ton: Wenn du so weiterspielst, werde ich immer dicker.                   

Wie ist der Hintergrund dieses Satzes?

Runde 2: Deadline am So 15. August 2018 um 24:00 MEZ

Wähle unter den nachfolgenden 6 Antworten diejenige, welche Dich am meisten überzeugt, und sende den entsprechenden Buchstaben an Billo.

A) Als Trostpreis für den Verlierer (seltener: die Verliererin) gab es eine Zeit lang jeweils ein Stück Engadiner Nusstorte – gegebenenfalls auch mit Supplément.

B) Jedesmal wenn Pedro gute Karten hat und einen guten Zug macht, muss er eine Schoggi-Truffe essen.

C) Wenn ich ein Spiel verliere, darf ich ein Stück Selbergebackenes meiner Frau naschen.

D) Die neuste Weltstatistik zeigt: Die Armen werden dicker, die Reichen schlanker.

E) Bei denen geht es so: Wer verliert, kriegt ein Stück Schokolade. Und da Pedro mehrheitlich verliert und dann ein Stück Schokolade isst, sagt er diesen Satz.

F) Spielen macht dick: Bewegungsmangel, aber Kalorienzufuhr durch Kuchen, Chips und Bier.

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Schlittenhunds Ball

07. Juni 2018

Bild: Samojedenrüde (Foto: Michael Neufeld/Wikimedia Commons)

Frage von Ferdinand Schnabl: 

Wir sind einst abends mit PKW und Campinganhänger über die «Strasse der 4 Winde» von Norwegen nach Finnland gefahren, also nördlich von Schweden. Campingplätze sind dort rar, und so entschlossen wir uns, ein paar Kilometer zu einem urigen Platz zurückzufahren. Da war eine breite Hofzufahrt, in der man mit dem Campinggespann umdrehen konnte, ohne den Anhänger abzuhängen – wäre da nicht ein schöner Samojedenspitz, vermutlich Schlittenhund, mitten in der Einfahrt gelegen und hätte an einem alten Ball genagt. Hund trottete weg, Ball lag noch im Weg. Ich stieg aus und kickte den Ball zur Seite. Naja, Ball war es doch nicht – aber was war es?    

Hier das Ergebnis.

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Vergrabene Kriegsbeile ruhen nicht

05. Mai 2018

 

 

 

Das Bologneser Autorenkollektiv Wu Ming folgt in seiner Romancollage «Kriegsbeile» einer fixen Idee. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sich viele italienische Partisanen in den Ostblock absetzen, um nicht liquidiert zu werden von Faschisten, die relativ problemlos in die Rolle von Polizisten, Richtern und Beamten schlüpften. Da KPI-Chef Togliatti nach dem Sieg der Christdemokraten bei der ersten Parlamentswahl der jungen Republik im Interesse nationaler Versöhnung angeordnet hatte, dass die Partisanen ihre Waffen abgeben, blieb der einzige Schutz, den die Partei den Kämpfern noch bieten konnte, der klandestine Abgang nach Jugoslawien, in die Tschechoslowakei oder nach Moskau.

Doch es ging das Gerücht, einige Partisanen seien ganz woanders hin ausgewichen, nach Indochina, als Kämpfer in den Reihen der dortigen Befreiungsarmeen. Weiterlesen »

Zerzauster Hund

02. März 2018
 
Frage von Mirjam Candan:
«Hier die Fotos – die ersten drei stellen Hund 1 dar, der an drei Beinen zerzaust ist, das letzte Foto zeigt die Vorderbeine von Hund 2. Sie sind wirklich ernsthaft verletzt», schreibt Mirjam in einer Mail.
Was ist geschehen?
 

Hier das Ergebnis.

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Schlimmer als in der Schweiz!

03. Februar 2018

 

Frage (und Bild) von Irmi Studer-Algader:

Welche Begebenheit in Grado hat Billo zum Ausspruch «Das ist ja schlimmer als in der Schweiz» bewogen?

Hier das Ergebnis.
Diesmal mag das zum Rätsel gestellte Bild manche etwas in die Irre geführt haben. Aber Camouflage und Irreführung gehören ja mit zu diesem Spiel!
Das Resultat fiel knapper aus als auch schon, die richtige Antwort beachtete kaum jemand, und eine erstmalige Mitspielerin holte sich die meisten Punkte – alles vielleicht wegen geschickter Bildverführung?

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Millionen von Onkel Max

31. Dezember 2017

Frage von Billo Heinzpeter Studer:

Du hast von Onkel Max zu Weihnachten 195 Euro geschenkt bekommen mit der Auflage, sie ausschliesslich als Spielgeld bei EuroMillions (normale Tips ohne Joker) einzusetzen, und zwar so, dass die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns möglichst gross sei.

Hm… Du überlegst Dir folgende drei Strategien:

1. Du wartest, bis der Jackpot wieder einmal über 100 Millionen beträgt, und gibst 150 Tips auf einmal ab.
2. Du gibst bei jeden der nächsten 150 Ziehungen einen neuen Tip ab.
3. Du gibst bei jeder Ziehung, bei welcher der Jackpot höchstens 20 Millionen beträgt, 5 Tips ab, bis das Geld aufgebraucht ist.

Doch dann merkst Du: Halt, es gibt noch eine bessere Strategie – welche? und warum?

Hier das Ergebnis.

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Kindliches Schreckstaunen, unbotmässig

03. Dezember 2017

 

 

 

Du erzählst mutig, Romana. Zum einen, weil Du aus Deinem eigenen Leben als Mädchen und junge Frau erzählst und Dich dabei auszieht, bis Du so nackt auf dem Glastisch liegst wie Deine Geschichten, wenn sie erst als Idee da sind und Du sie zu verlieren fürchtest vor dem Aufschreiben, das warten muss, weil grad was Dringendes dazwischen kommt. Und zum andern, weil sich leicht überprüfen lässt, ob stimme, was Du mir erzählst.

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Die aus Passion aufs Meer fahren

09. November 2017

 

 

 

Die Römer Autorin Antonella Mei porträtiert in «I Passionauti» ganz unterschiedliche Menschen mit ihrer Passion für das Meer. In einem Land, dessen Küste fast 8000 Kilometer misst und das nicht zuletzt wegen seiner unzähligen Badestrände besucht wird, scheint das auf den ersten Blick selbstverständlich. Doch das Buch geht vom Erstaunen darüber aus, dass eine Kultur des Meeres gerade in Italien nicht besonders gepflegt werde, vor allem keine Kultur des Auf-dem-Meer-Seins.

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I passionauti

09. November 2017

 

 

 

Nel libro «I Passionauti» l’autrice romana Antonella Mei ritrae persone molto diverse, ma accomunate dalla passione per il mare. In un Paese, come l’Italia, con quasi 8000 chilometri di costa e conosciuto per le sue innumerevoli spiagge, sembra evidente che possa essere diffusa questa passione. Ma il libro rivela, invece, lo stupore per il fatto che, in Italia, non esista una profonda cultura del mare, o meglio dell’andare per mare.

A questo proposito, occorre ricordare che anticamente i Romani si erano distinti non tanto per i viaggi in alto mare quanto per le navigazioni lungocosta. Furono i Vandali invece che, nel tardo periodo dell’Impero romano d’Occidente, dopo aver conquistato il Nordafrica, iniziarono ad attraversare audacemente il Mediterraneo muovendosi in tutte le direzioni e riuscendo così a depredare numerosi tesori, che furono, poi, in grado di riportare nel loro regno in Africa. Arrivarono a saccheggiare perfino Roma, anche se non la distrussero come sono diffamati da allora.

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Wie denkt das Menschentier über andere Tiere?

05. November 2017

 

 

Der zu recht populäre deutsche Philosoph Richard David Precht legt ein Buch über das Verhältnis des Homo sapiens zu andern Tieren vor, das ich aus zwei Gründen für unbedingt lesenswert halte. 

Zum einen verfolgt Precht in der ersten Hälfte des umfangreichen Werks die Veränderung der Sicht des Menschen auf (andere) Tiere von der Steinzeit bis zum heutigen Tag. In diesem Rückblick führt er uns vor Augen, dass «die heute so selbstverständlich gezogene Grenze zwischen Tier und Mensch (…) kulturell eine junge Entwicklung innerhalb des Gedankenwelt des Homo sapiens» ist. Precht verweist hier auf «Fabelgestalten, halb Mensch und halb Tier» in Höhlenmalereien und bei Urvölkern. 

Die trennende Sicht des Menschen auf andere Tiere hat ihren Ursprung in der Agrarrevolution vor etwa 10 000 Jahren, in welcher Zivilisationen begannen, Teile der Natur planvoll zu nutzen. Interessant ist allerdings, dass die Trennung nicht sofort wirksam wurde. Im alten Ägypten, so Precht, wurden Tiere verehrt:«Als Mittler zwischen transzendenten Kräften und  natürlichem Leben avanciert das heilige Tier zum Orakel, zum Dolmetscher und Herold göttlicher Energien.» Interessant aber auch, dass die Verehrung nicht alle Tierarten umfasste. Ähnlich der heutigen  Trennung zwischen Schmusetier- und Nutztierarten jagten Ägypter etwa Krokodile und Elefanten, Letztere gar bis zur Ausrottung.

Precht macht vor allem die Religionen für die Instrumentalisierung der Tiere verantwortlich, und zeichnet die Zunahme menschlicher Distanzierung vom Judentum über die Antike bis zu den grossen Weltreligionen Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus – nicht ohne die «Dissidenten» zu erwähnen, die in  jeder Epoche für ein geschwisterliches Verhältnis zu Tieren einstanden, aber als Minderheit zu ihrer Zeit wirkungslos blieben. So setzte sich schliesslich das Selbstbild des Menschen als «kluges Tier» und dessen Sicht auf alle andern Tiere als unbeseelte Maschinen durch. «Platon, Aristoteles, Cicero, Augustinus, Thomas von Aquin, Descartes, Spinoza, Pascal, Leibniz, Kant und Hegel – allesamt schaufelten sie am grossen Graben zwischen Mensch und Tier.»

Erst ab dem 17. Jahrhundert gewinnt ein vor allem von Mitleid getragenes Umdenken zum Umgang mit Tieren allmählich Boden. In der Folge entstehen Bewegungen für Tierschutz und Vegetarismus, Vorläufer der ethischen und aktivistischen Entwicklung der jüngeren Zeit, in der sich eine wortstarke Minderheit für Tierrechte, Tierbefreiung und den Verzicht auf jede Nutzung von Tieren (Veganismus) einsetzt (guter Überblick in Klaus Petrus: «Tierrechtsbewegung – Geschichte, Theorie, Aktivismus»).

Erst nach diesem langen Weg in der Ideengeschichte der letzten Jahrtausende konnte unlängst ein Philosoph ganz selbstverständlich schreiben: «Philosophen sind sich über viele Dinge nicht einig, weil sie sehr nachdenklich Menschen sind; über einige Dinge allerdings stimmen sie aus dem selben Grund in einem erstaunlich hohen Grad überein» (Markus Wild in einem Facebook-Post über Veganismus).

Damit komm ich zum zweiten Grund, das Buch mit dem wunderbar doppelsinnigen Titel «Tiere denken» allen ans Herz zu legen: Es ist keine vegane Streitschrift. Precht überlässt die Schlussfolgerung für die eigene Moral den Lesenden, ohne den Zeigefinger gegen sie zu heben. Anders als mancher Tierrechtler differenziert er erstaunlich; so kann er einem gut geführten Zoo durchaus auch positive Seiten abgewinnen. Und anders als mancher vegane Aktivist sieht Precht den Durchbruch einer fleischlosen Ernährung nicht dank Pamphleten kommen, sondern dank Technik. Weil heute grosse Investoren auf Kunstfleisch setzen, geht er davon aus, dass wir in absehbarer Zukunft ganz einfach auf die Schlachtung von Tieren verzichten können. Trick statt Ethik. Prechts philosophischer Pragmatismus hat ihm seitens radikaler Veganer auch schon Kritik beschert; für ihn zählt aber vor allem, ob die Menschheit ohne die Nutzung von Tieren auszukommen lernt.

Richard David Precht: «Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen». Goldmann, München, 2016. 509 Seiten, gebunden. ISBN 978-3-442-31441-6