Intime Frauenportäts in der DDR, 1998

11. November 2019

Etwas aus der Zeit kurz vor dem Zusammenbruch des Regimes in der DDR (eine Zeit und ein Land, die mich immer wieder beschäftigen) und speziell zur Situation der Frauen:

«Winter Adé», ein berührender Film mit schlichten, nahen, sehr intimen Porträts, die nur gelingen  konnten, weil zwischen den Menschen vor und hinter der Kamera etwas Verbindendes bestand. Ich habe wenige Jahre nach der «Wende» auf dem Land unter den Menschen öfter etwas Ähnliches erlebt, was mir in dieser Selbstverständlichkeit nicht vertraut gewesen war.

Am stärksten berührt haben mich zwei der Frauen im Film, die damals 37jährige Schwerarbeiterin und alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die sich ihrer behinderten Tochter wegen ausgeschlossen fühlt, wenig Perspektive für sich selber sieht und ihre Kraft aus der Zuneigung ihres Sohns schöpft; am liebsten würde man sie einfach in den Arm nehmen. Und die 83jährigen Urgrossmutter bei der Feier ihrer diamantenen Hochzeit, die später, allein mit der Regisseurin, davon berichtet, dass sie als Schwangere habe heiraten müssen, es aber später bereut habe, weil der Mann fremdgegangen sei, und die trocken feststellt, eigentlich hätte sie einen Besseren verdient.

Die aus Thüringen stammende Anja, der ich den Tip zu diesem sehr speziellen Dokumentarfilm verdanke, schrieb mir dazu: «Es ist der einzige mir bekannte aus Frauenperspektive, der zeitlich sehr nah an 89 liegt (also schon die „geistige Aufbruchsenergie“ enthält), aber noch völlig unberührt ist von der West-Sicht, von den ab 89 sofort einsetzenden West-Narrativen. Das macht den Film einzigartig. Man kann auch das andere Geschlechterverhältnis spüren … im guten wie im schlechten Sinne.»

Winter Adé. Eine Bahnreise durch die DDR im Jahr 1988.
Dokumentarfilm von Helke Misselwitz, DDR, 1998.
Mediathek der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung oder auf Youtube

 

Tod in Genua, und überall

23. Oktober 2019

 

 

 

Alles bricht in sich zusammen, und Genua ist ein Spiegelbild hierfür. Die Idee einer zivilen Gesellschaft zerschellt am staatlichen Verhalten gegenüber Protestierenden gegen den G7-Gipfel. Die Vorstellung von der Sicherheit des Lebens in einem modernen Staat stürzt mit dem Zusammenbruch der Morandi-Brücke in den Abgrund. Die in ihrer Grandezza unsterbliche alte Tante Matilde hat sich unversehens ins Jenseits abgemeldet, was derart unerhört erscheint, dass ihr Begräbnis zum Desaster gerät, in welchem sich alles auflöst. Auch die Liebe zwischen Nina und Paul, den beiden andern Hauptpersonen, deren Schwierigkeit wie ein stetig röter werdender Faden durch den Roman führt, der sich zu dessen Ende aufdröselt, zerbröselt, verfällt. Nichts bleibt mehr ausser Bedauern, auch darüber, dass der Roman schon zuende ist, in dessen Bildern und Tönen und  Farben ich mich fast häuslich eingerichtet hatte, so dass ich mich als Lesender getragen fühlte, fortgetragen wie die imaginierte Tante Matilde in ihrem antiquierten Kreuzfahrtschiff, aus tausend Fenster zugleich winkend, wie zum Trost für den unwiderruflichen Abschied.

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Übers Mittelmeer nach Europa

21. Oktober 2019

 

 

 

Der Schweizer Journalist Beat Stauffer kennt den Maghreb seit vielen Jahren und berichtet über den vorwiegend arabischen Norden Afrikas immer wieder in der NZZ und auf Schweizer Radio SRF. Stauffer hat sich dabei auch wiederholt kritisch mit der Migration aus dem Maghreb nach Europa auseinandergesetzt. Nun legt er ein umfangreiches und reich dokumentiertes Buch zum Thema vor.

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Hommage an den vorlesenden Biologielehrer Handschin

10. August 2019

 

 

Warum ich gerade heute beim Erwachen an meinen Biologielehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) gedacht hab, kann ich mir nicht erklären. Ich weiss nur, dass ich diese Geschichte jetzt festhalten muss, egal, was ihretwegen an Arbeit liegen bleibt.

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Wenn ganz viele Menschen aus Afrika kommen

01. Mai 2019

 

 

 

 

 

Hier schreibt ein Autor über die Migration von Afrika nach Europa aufgrund von Zahlen und Fakten, die bestimmte Überlegungen nahelegen, denen er nicht ausweicht, anders als viele in Europa, die sich nicht mit den Folgen auseinandersetzen wollen. Die aber kommen so oder so, die Frage ist nur, ob wir sie vorausschauend gestalten oder abwarten, bis sie über uns hereinbrechen.

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Macht Spielen dick?

15. Juli 2018

Das Kartenspiel, von Oluf Simony-Jensen, 1904 (Wikimedia Commons)

Frage von Pedro Brunhart:

Meine Frau und ich spielen jeden Abend Karten. Manchmal sage ich in vorwurfsvollen Ton: Wenn du so weiterspielst, werde ich immer dicker.                   

Wie ist der Hintergrund dieses Satzes?

Runde 2: Deadline am So 15. August 2018 um 24:00 MEZ

Wähle unter den nachfolgenden 6 Antworten diejenige, welche Dich am meisten überzeugt, und sende den entsprechenden Buchstaben an Billo.

A) Als Trostpreis für den Verlierer (seltener: die Verliererin) gab es eine Zeit lang jeweils ein Stück Engadiner Nusstorte – gegebenenfalls auch mit Supplément.

B) Jedesmal wenn Pedro gute Karten hat und einen guten Zug macht, muss er eine Schoggi-Truffe essen.

C) Wenn ich ein Spiel verliere, darf ich ein Stück Selbergebackenes meiner Frau naschen.

D) Die neuste Weltstatistik zeigt: Die Armen werden dicker, die Reichen schlanker.

E) Bei denen geht es so: Wer verliert, kriegt ein Stück Schokolade. Und da Pedro mehrheitlich verliert und dann ein Stück Schokolade isst, sagt er diesen Satz.

F) Spielen macht dick: Bewegungsmangel, aber Kalorienzufuhr durch Kuchen, Chips und Bier.

 Spielregeln

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Schlittenhunds Ball

07. Juni 2018

Bild: Samojedenrüde (Foto: Michael Neufeld/Wikimedia Commons)

Frage von Ferdinand Schnabl: 

Wir sind einst abends mit PKW und Campinganhänger über die «Strasse der 4 Winde» von Norwegen nach Finnland gefahren, also nördlich von Schweden. Campingplätze sind dort rar, und so entschlossen wir uns, ein paar Kilometer zu einem urigen Platz zurückzufahren. Da war eine breite Hofzufahrt, in der man mit dem Campinggespann umdrehen konnte, ohne den Anhänger abzuhängen – wäre da nicht ein schöner Samojedenspitz, vermutlich Schlittenhund, mitten in der Einfahrt gelegen und hätte an einem alten Ball genagt. Hund trottete weg, Ball lag noch im Weg. Ich stieg aus und kickte den Ball zur Seite. Naja, Ball war es doch nicht – aber was war es?    

Hier das Ergebnis.

Spielregeln

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Vergrabene Kriegsbeile ruhen nicht

05. Mai 2018

 

 

 

Das Bologneser Autorenkollektiv Wu Ming folgt in seiner Romancollage «Kriegsbeile» einer fixen Idee. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sich viele italienische Partisanen in den Ostblock absetzen, um nicht liquidiert zu werden von Faschisten, die relativ problemlos in die Rolle von Polizisten, Richtern und Beamten schlüpften. Da KPI-Chef Togliatti nach dem Sieg der Christdemokraten bei der ersten Parlamentswahl der jungen Republik im Interesse nationaler Versöhnung angeordnet hatte, dass die Partisanen ihre Waffen abgeben, blieb der einzige Schutz, den die Partei den Kämpfern noch bieten konnte, der klandestine Abgang nach Jugoslawien, in die Tschechoslowakei oder nach Moskau.

Doch es ging das Gerücht, einige Partisanen seien ganz woanders hin ausgewichen, nach Indochina, als Kämpfer in den Reihen der dortigen Befreiungsarmeen. Weiterlesen »

Zerzauster Hund

02. März 2018
 
Frage von Mirjam Candan:
«Hier die Fotos – die ersten drei stellen Hund 1 dar, der an drei Beinen zerzaust ist, das letzte Foto zeigt die Vorderbeine von Hund 2. Sie sind wirklich ernsthaft verletzt», schreibt Mirjam in einer Mail.
Was ist geschehen?
 

Hier das Ergebnis.

Spielregeln

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Schlimmer als in der Schweiz!

03. Februar 2018

 

Frage (und Bild) von Irmi Studer-Algader:

Welche Begebenheit in Grado hat Billo zum Ausspruch «Das ist ja schlimmer als in der Schweiz» bewogen?

Hier das Ergebnis.
Diesmal mag das zum Rätsel gestellte Bild manche etwas in die Irre geführt haben. Aber Camouflage und Irreführung gehören ja mit zu diesem Spiel!
Das Resultat fiel knapper aus als auch schon, die richtige Antwort beachtete kaum jemand, und eine erstmalige Mitspielerin holte sich die meisten Punkte – alles vielleicht wegen geschickter Bildverführung?

Spielregeln

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