Ein US-Amerikaner versucht, Afrika zu verstehen, Jahre nachdem er neun Monate lang in kleinen Städten und Dörfern Sierra Leones gelebt hat. Seine Auseinandersetzung mit dem fast unüberwindbaren Graben zwischen beiden Kulturen ist ehrlich, in eine spannende Geschichte verpackt und voller Witz und Intelligenz, (mehr …)
Archiv für die Kategorie ‘Bücher’
Richard Dooling: «Grab des weissen Mannes» (1994)
Montag, 24. August 2009Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo» (1955)
Montag, 10. August 2009 Das Thema seines Romans «Goya», die katholisch verkrusteten Verhältnisse im Spanien des 18. Jahrhunderts, hatte Feuchtwanger ursprünglich in einem zweiten Buch fortsetzen wollen. Stattdessen und für uns zum Glück blätterte er weit zurück (mehr …)
Irving Stone: «Vincent van Gogh» (1936)
Montag, 13. Juli 2009«Ein Leben in Leidenschaft» heisst der deutsche Nebentitel dieser Biografie – und trifft in zweifacher Hinsicht: Die Entwicklung van Goghs war von der wilden Leidenschaft zu malen gezeichnet, mehr als von allen andern Leidenschaften. Und Irving Stone, auch er ein Autodikakt, erzählt van Goghs Geschichte mit einer Leidenschaft, der ich sich als Leser nicht mehr entziehen konnte. Was Malen wirklich heisst, hab ich erst mit diesem Buch begriffen.
rororo 11099, Taschenbuch, ISBN-3-499-11099-7
Michail Bulgakov: «Hundeherz» (1925)
Mittwoch, 31. Dezember 2008Eine beissend ironische Abrechnung mit dem Kommandokommunismus der frühen Sowjetjahre. Kein Wunder, zog der junge Arzt Bulgakow, der sich bei keiner der miteinander verfeindeten Parteien und Armeen zuhause fühlte, mit solchen Schriften den Argwohn des Vaterlands der Arbeiter auf sich. «Hundeherz» wurde in der Sowjetunion denn auch erst 1987 publiziert…
dtv, Taschenbuch, 1994
Lion Feuchtwanger: «Goya» (1951)
Mittwoch, 13. August 2008Feuchtwangers Roman «Goya oder der arge Weg der Erkenntnis» spielt im von Inquisition und feudaler Dekadenz beherrschten Spanien zur Zeit der französischen Revolution. Vor diesem düsteren Hintergrund verläuft die Entwicklung eines der grössten Malers, vom schillernden, mal geliebten, mal gehassten Portraitisten des Königshauses und von Granden hin zum freien, frechen Chronisten mit spitzer Nadel. Wie immer bei Feuchtwanger erschliesst sich der Text sprachlich nicht so leicht, doch die Tiefe und die Lebendigkeit der epischen Erzählung lohnen die Mühe wirklich.
Aufbau Verlag, Taschenbuch, ISBN 978-3-7466-5613-7
Marlen Haushofer: «Die Wand»
Dienstag, 20. Februar 2001Unter all den Büchern, die ich im Lauf der Jahre gelesen hab, ist «Die Wand» vermutlich jenes, das mich am stärksten beeindruckt hat, unmittelbar beim Lesen und nachhaltig in der Erinnerung.
Die Geschichte ist enorm beklemmend. Plötzlich ist da nichts mehr, alle andern Menschen sind verschwunden, die Protagonistin sieht sich über Nacht allein gelassen in einer abgelegenen Gegend, die sie im Erkunden zudem als abgeschlossen erfahren muss, ungläubig zunächst, aber unentrinnbar: eine hohe Wand aus dickem durchsichtigem Material umschliesst ihre kleine Welt. Was sie durch die Wand erblickt, sieht nicht lebendig aus. Etwas muss passiert sein; was, bleibt ungewiss.
Die im Grunde wenig ereignisvolle Geschichte ist beklemmend gerade in der ruhigen, fast beschaulichen Art, in der sie erzählt wird. In einer meisterhaften Sprache, um genau zu sein. Präzis, knapp, anschaulich. Die Sprache einer Frau, die ihren Alltag berichtet; aber nicht den gewohnten Alltag als Hausfrau, sondern den einer Frau, die all ihr Wissen und Können darauf verwendet, unabhängig und selbständig zu werden und zu überleben: zu leben!
Es ist keine feministische, rebellische Sprache, in der Marlen Haushofer erzählt. Selbst als die Protagonistin einen Mann umbringt, der unerwartet als einziger Mitmensch in ihrem Biotop auftaucht und ihr Leben durchkreuzt, wird nicht als Tat einer Frauenbefreiung herausgestrichen; der Mord ergibt sich vielmehr aus der Autonomie der Person unaufgeregt folgerichtig, im Lesen nachvollziehbar.
Für mich gehört dies zur unglaublichen Stärke dieses Buchs, dass es im Kleinen beschreibt, was im Leben einer Person passiert, die plötzlich vollkommen auf sich allein gestellt wird und sich ohne fremde Hilfe im wahrsten Sinn autonom organisieren muss. In der Gesellschaft, in welcher die 1920 in einer österreichischen Landgemeine geborene Marlen Haushofer aufwuchs, war Autonomie vielleicht das, was ein Mann erringen konnte, wenn er klug und wohlhabend genug war; aber gewiss nicht eine Frau. Das spricht ihr Roman nicht frontal an, sondern macht es durch das lesende Miterleben erfahrbar, aber so, dass es erst allmählich ins Bewusstsein gerät, vielleicht erst Jahre nach der Lektüre, weil die einfachen, aber kraftvollen Bilder nicht aus dem Gedächtnis weichen.
Es passt zur ohne absehbares Ende gebliebenen Geschichte und zu jener Zeit, dass die zu derartiger Sprachkunst Begabte und damals auch Gelobte von der Literaturwelt bald wieder vergessen wurde. Hätte sich Marlen Haushofer mit weiteren grossartigen Werken dagegen zu wehren vermocht, wenn sie nicht im Alter von 49 Jahren an Knochenkrebs gestorben wäre? Ich wünschte es ihr.
Roman, 1963. Klett, 1986, ISBN 3-12-351960-0 (oder dtv, 1991)
Kongenial verfilmt von Julian Roman Pölsler mit Martina Gedeck (2012)