Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

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Was unterscheidet die Menschen von andern Tieren? Dass sie sich komplexe Geschichten erzählen können, sogar über Dinge, die sie schlicht erfunden haben. So wurde der Homo sapiens zur beherrschenden Spezies, die mehr andere Arten ausgerottet hat als irgendeine Spezies sonst. Doch das ist nicht das Ende.

Selten wurde die Geschichte von unseren Urahnen bis zur Schwelle unserer Zukunft spannender erzählt als von diesem jungen israelischen Historiker. Und selten mit kritischen Seitenblicken auf den Umgang der Menschen mit den Tieren geworfen wie in diesem Buch. Der Titel des staatlichen Buchs bezieht sich zum Glück nicht auf dessen Umfang, sondern auf die kurze Präsenz des Menschen in der bisherigen Erdgeschichte.

Was unterscheidet die Tierart Homo sapiens von allen andern Arten im Tierreich? Einzig die Fähigkeit, einander Dinge zu erzählen, die es (noch) gar nicht gibt – das ist Hararis überraschende Antwort, die er allerdings schlüssig zu machen versteht.

Für mich eine der schönsten Stellen in diesem überragenden Werk findet sich auf Seite 353:

«Mit der Entdeckung Amerikas lernten die Europäer, neuen Beobachtungen grösseres Gewicht beizumessen als alten Überlieferungen (…) Bald lernten nicht nur die Kartographen, sondern auch europäische Wissenschaftler aller andern Disziplinen, Karten mit weissen Flecken zu zeichnen. Sie gaben zu, dass ihre Theorien alles andere als vollständig waren, und dass es eine Menge Dinge gab, von denen sie nicht die geringste Ahnung hatten. Die weissen Flecken auf der Landkarte übten eine magische Anziehungskraft auf die Europäer aus, und sie machten sich daran, einen nach dem andern auszufüllen.» 

Problematisch wird mir Hararis Buch zum Schluss, im Ausblick auf die Zukunft dieser Spezies, die sich im gegenseitigen Erzählen die Welt scheinbar völlig neu erfinden kann. Die technologische Unbegrenztheit der künftigen Entwicklung unserer Art mutet mich vor dem Hintergrund einer genialen Revue unserer Geschichte erstaunlich naiv an. Es scheint, als hätte Harari in seiner grossartigen Erzählung ein wichtiges Element übersehen.

Aber ich muss Hararis Schluss ja nicht ihm gleich ziehen, um sein Buch jedem wachen Zeitgenossen ganz ans Herz zu legen. Mir selber ist es eines der wichtigsten und liebsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen hab.

DVA, 2013, 978-3-421-04595-9

 

 

 

 

 

 

 

 

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