Sozialkritik der Situation alleine gelassener Mütter

 

«Polizeiruf 110» ist ursprünglich eine Krimiserie des Fernsehens der DDR, die ab 1971 als Gegenstück zur westdeutschen Serie «Tatort» wöchentlich ausgestrahlt wurde. Nach der Wende wurde sie vom Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) übernommen und, ähnlich wie der «Tatort», von verschiedenen Studios im Wechsel und von Mal zu Mal mit unterschiedlichem Geschick produziert wird.

Eine der herausragenden Folgen, «Kleine Frau», stammt aus dem Jahr 2006, produziert vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, mit Imogen Kogge als Hauptkommissarin und Johanna Gastdorf als von ihrem Sohn ausgebeutete und gescheiterte alleinerziehende Mutter in den zwei hervorragend gespielten Hauptrollen. Die Geschichte ist im Kern eine Sozialkritik der Situation alleine gelassener Mütter, die für alles Verantwortung tragen, im bittersten Sinn bis zur kompletten Erschöpfung der mütterlichen Sorge. Der Fall ist offiziell angeschlossen, als Hauptkommissarin Herz die wahren Hintergründe des Mords an einem Sohn erfährt – und sie auf sich beruhen lässt, weil sie als Mutter das Drama ihrer Schulkolleginnen nachvollziehen kann, die in den Fall verwickelt sind.

Fast siebzehn Jahre nach der Wende atmet «Kleine Frau» die nachdenkliche Stimmung und Haltung, welche die besten Folgen der einstigen DDR-Serie auszeichnete.  

Andreas Kleinert: «Kleine Frau», Polizeiruf 110, ARD, 2006
Video verfügbar bis 22.03.2020

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