Archiv für die Kategorie ‘Bücher’

Hirnforschung, Wahnsinn und zurück in den Alltag

Samstag, 14. Dezember 2019

 

 

 

 

Der Wissenschaftsjournalist Beat Glogger legt einen spannungs- und lehrreichen Science-Thriller vor, der auf dem neusten Stand der Wissenschaft und auf privaten Erfahrungen beruht, den Bogen jedoch in unbekanntes Gebiet spannt, genauer: überspannt, jedenfalls aus der Rückschau der Hauptperson betrachtet.

Tina Benz, eine selbstbewusste und durchsetzungsstarke Frau vom herben Charme einer Lisbeth Salander aus Stieg Larssons Millenium-Trilogie versteht es, den international führenden Neurowissenschafter Frank Stern (mehr …)

Balance überm Abgrund geheim gehaltener Fakten

Freitag, 13. Dezember 2019

Peter Beutler schreibt Politkrimis; aber keine erfundenen. Er recherchiert wie ein Journalist historisch belegte Unfälle und Verbrechen in der Schweiz, die bisher ungeklärt geblieben sind. Dort, wo noch immer Geheimnisse die Geschehnisse verbergen, wird Beutler zum brillanten Romanautor. Er interpoliert zwischen den Scherben der aktenkundigen Fakten und bündelt das Wissen zu einer Geschichte, wie es in Wahrheit gewesen sein könnte. Der rote Faden, auf dem er dabei über die Abgründe balanciert, ist aus den feinen Fasern des cui bono geflochten: Wem mag es genützt haben? Den Mächtigen. Und offenbar sticht er damit ins Wespennest gewaltsam versteckter Wahrheiten, derart, dass er wie erst kürzlich Morddrohungen erhält. 

Geschichten erfinden ist, wie schon Yuval Harari sagte, eine zutiefst menschliche Wesensart, und in der Regel ist das ungefährlich – ausser man erfindet das, was unbedingt verschwiegen bleiben soll.

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Ein Krimi für gut Beschuhte

Mittwoch, 11. Dezember 2019

 

 

 

 

 

Zur Lektüre dieses Krimis empfiehlt sich gutes Schuhwerk. Für jene, die nicht mehr erlebt haben, was das heisst: Ich rede von solider Handwerksarbeit aus echtem Leder, innen wie aussen, rahmengenäht, Vollgummisohle, mit reissfesten Nesteln und Ösen, von einer Qualität, der man ganz selbstverständlich Pflege und gutes Schuhfett angedeihen lässt.

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Tod in Genua, und überall

Mittwoch, 23. Oktober 2019

 

 

 

Alles bricht in sich zusammen, und Genua ist ein Spiegelbild hierfür. Die Idee einer zivilen Gesellschaft zerschellt am staatlichen Verhalten gegenüber Protestierenden gegen den G7-Gipfel. Die Vorstellung von der Sicherheit des Lebens in einem modernen Staat stürzt mit dem Zusammenbruch der Morandi-Brücke in den Abgrund. Die in ihrer Grandezza unsterbliche alte Tante Matilde hat sich unversehens ins Jenseits abgemeldet, was derart unerhört erscheint, dass ihr Begräbnis zum Desaster gerät, in welchem sich alles auflöst. Auch die Liebe zwischen Nina und Paul, den beiden andern Hauptpersonen, deren Schwierigkeit wie ein stetig röter werdender Faden durch den Roman führt, der sich zu dessen Ende aufdröselt, zerbröselt, verfällt. Nichts bleibt mehr ausser Bedauern, auch darüber, dass der Roman schon zuende ist, in dessen Bildern und Tönen und  Farben ich mich fast häuslich eingerichtet hatte, so dass ich mich als Lesender getragen fühlte, fortgetragen wie die imaginierte Tante Matilde in ihrem antiquierten Kreuzfahrtschiff, aus tausend Fenster zugleich winkend, wie zum Trost für den unwiderruflichen Abschied.

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Übers Mittelmeer nach Europa

Montag, 21. Oktober 2019

 

 

 

Der Schweizer Journalist Beat Stauffer kennt den Maghreb seit vielen Jahren und berichtet über den vorwiegend arabischen Norden Afrikas immer wieder in der NZZ und auf Schweizer Radio SRF. Stauffer hat sich dabei auch wiederholt kritisch mit der Migration aus dem Maghreb nach Europa auseinandergesetzt. Nun legt er ein umfangreiches und reich dokumentiertes Buch zum Thema vor.

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Hommage an den vorlesenden Biologielehrer Handschin

Samstag, 10. August 2019

 

 

Warum ich gerade heute beim Erwachen an meinen Biologielehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) gedacht hab, kann ich mir nicht erklären. Ich weiss nur, dass ich diese Geschichte jetzt festhalten muss, egal, was ihretwegen an Arbeit liegen bleibt.

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Wenn ganz viele Menschen aus Afrika kommen

Mittwoch, 01. Mai 2019

 

 

 

 

 

Hier schreibt ein Autor über die Migration von Afrika nach Europa aufgrund von Zahlen und Fakten, die bestimmte Überlegungen nahelegen, denen er nicht ausweicht, anders als viele in Europa, die sich nicht mit den Folgen auseinandersetzen wollen. Die aber kommen so oder so, die Frage ist nur, ob wir sie vorausschauend gestalten oder abwarten, bis sie über uns hereinbrechen.

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Vergrabene Kriegsbeile ruhen nicht

Samstag, 05. Mai 2018

 

 

 

Das Bologneser Autorenkollektiv Wu Ming folgt in seiner Romancollage «Kriegsbeile» einer fixen Idee. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sich viele italienische Partisanen in den Ostblock absetzen, um nicht liquidiert zu werden von Faschisten, die relativ problemlos in die Rolle von Polizisten, Richtern und Beamten schlüpften. Da KPI-Chef Togliatti nach dem Sieg der Christdemokraten bei der ersten Parlamentswahl der jungen Republik im Interesse nationaler Versöhnung angeordnet hatte, dass die Partisanen ihre Waffen abgeben, blieb der einzige Schutz, den die Partei den Kämpfern noch bieten konnte, der klandestine Abgang nach Jugoslawien, in die Tschechoslowakei oder nach Moskau.

Doch es ging das Gerücht, einige Partisanen seien ganz woanders hin ausgewichen, nach Indochina, als Kämpfer in den Reihen der dortigen Befreiungsarmeen. (mehr …)

Kindliches Schreckstaunen, unbotmässig

Sonntag, 03. Dezember 2017

 

 

 

Du erzählst mutig, Romana. Zum einen, weil Du aus Deinem eigenen Leben als Mädchen und junge Frau erzählst und Dich dabei auszieht, bis Du so nackt auf dem Glastisch liegst wie Deine Geschichten, wenn sie erst als Idee da sind und Du sie zu verlieren fürchtest vor dem Aufschreiben, das warten muss, weil grad was Dringendes dazwischen kommt. Und zum andern, weil sich leicht überprüfen lässt, ob stimme, was Du mir erzählst.

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Die aus Passion aufs Meer fahren

Donnerstag, 09. November 2017

 

 

 

Die Römer Autorin Antonella Mei porträtiert in «I Passionauti» ganz unterschiedliche Menschen mit ihrer Passion für das Meer. In einem Land, dessen Küste fast 8000 Kilometer misst und das nicht zuletzt wegen seiner unzähligen Badestrände besucht wird, scheint das auf den ersten Blick selbstverständlich. Doch das Buch geht vom Erstaunen darüber aus, dass eine Kultur des Meeres gerade in Italien nicht besonders gepflegt werde, vor allem keine Kultur des Auf-dem-Meer-Seins.

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